Arganöl ist seit Jahrhunderten Bestandteil traditioneller marokkanischer Lebensweise, Hautpflege und Ernährung. Es gilt von jeher als natürliches Lebenselexier, das die Abwehrkräfte des Körpers erhält und stärkt und die Schönheit bewahrt. Die Berber wissen um die besonderen Eigenschaften ihres Arganöls schon lange, ohne dessen Inhaltsstoffe genau zu kennen.

Basierend auf den Forschungen des renommierten Phytopharmakologen Prof. Dr. Rachid Soulimani von der Universität Metz, Frankreich, von Prof. Robert Owen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und der marokkanischen Professorin Zoubida Charrouf konnten die traditionell genutzten Eigenschaften von Arganöl in zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten belegt werden.

Arganöl hat eine ausgewogene Fettsäurezusammensetzung, die derjenigen von Sesamöl ähnelt. Die häufigsten Fettsäuren sind die einfach ungesättigte Ölsäure (syn. Oleinsäure C18:1, Omega 9)und die zweifach ungesättigte Linolsäure (C18: 2, Omega 6) mit Anteilen von etwa 45 % bzw. 35 % sowie die gesättigt Fettsäuren Palmitinsäure (C16:0, 12 % und Stearinsäure (C18: 0,5% ). Die im Arganöl enthaltenen Glyceride setzten sich im wesentlichen zusammen aus 96% Triglyceride, 1,5 % Diglyceride und freie Fettsäuren sowie 0,3 % Monoglyceride.

Der unverseifbare Anteil des Arganöls beträgt etwa 0,5 - 1,0 % und besteht hauptsächlich aus Carotinoiden (37 %), Tocopherolen (8 %), Sterolen (20 %) und Triterpenalkoholen (20 %) und enthält somit eine beachtliche Menge biologisch aktiver sekundärer Pflanzenstoffe.

Squalen, das in den meisten Pflanzen nur in geringen Mengen vorkommt, ist im Arganöl in einer hohen Konzentration vertreten (320 mg/Liter). Squalen in dieser hohen Konzentration, wie man es in Arganöl findet, wird u.a. im Schweinegrippe Impfstoff Pandemrix (H1N1-Grippe-Impfstoff) als immunverstärkender Hilfsstoff eingesetzt. Der wirkverstärkende Hilfsstoff AS03 besteht aus etwa 5 Milligramm Polysorbat 80, 10,7 Milligramm Squalen und 11,9 Milligramm Vitamin E.

Arganöl enthält ein Vielfaches an Tocopherolen als z. B. Olivenöl (Arganöl 620 mg/Liter im Vergleich zu 320 mg/Liter bei Olivenöl). Früher wurde Alpha-Tocopherol (75 mg/Liter), für die aktivste Vitamin-E-Form gehalten, doch neuere Studien haben die biologische Bedeutung des im Arganöl vorherrschenden Gamma-Tocopherols (75 %) belegt. Gamma-Tocopherol ist ein wesentlich wichtigeres und effektiveres Antioxidant als Alpha-Tocopherol. Es wirkt noch besser anti-radikal.

Im Focus der Wissenschaftler und Mediziner rücken immer mehr die Sterole des Arganöls, vor allem Schottenol (48 %) und Spinasterol (44 %). Kein anderes bisher bekanntes Pflanzenöl enthält eine solch bemerkenswerte Kombination verschiedener Sterole wie Arganöl.

Arganöl enthält die vier einfachen phenolischen Verbindungen Vanillinsäure, Ferulasäure, Tyrosol und Syringasäure in einer Gesamtkonzentration von etwas weniger als 4 mg/Liter: dies entspricht knapp der Konzentration der einfachen Phenole im Olivenöl.
Die Berberfrauen der U.C.F.A. sind bis heute Spezialistinnen in Sachen Arganöl, und wird ausschließlich von ihnen und in traditioneller Handarbeit hergestellt. Nach dem Einsammeln der Früchte werden diese auf den flachen Dächern der Lehmhäuser getrocknet, um später die trockene Fruchthülle zu entfernen und die Nuss im Inneren freizulegen. Dabei werden fehlerhafte oder gar faule Kerne sofort aussortiert, da sie das Arganöl geschmacklich verändern würden. Die Schale der Nuss wird zwischen zwei Steinen aufgeschlagen und der zarte Mandelkern sorgfältig entnommen.

Die kleinen Mandeln werden von einer sie umgebenden Schutzhaut befreit und kurz mild geröstet, um den typisch-nussigen Geschmack für das Speiseöl zu erzeugen.

Schließlich werden die Mandeln in altbewährten Steinmühlen von Hand gemahlen. Es entsteht eine ölige, cremige Paste, die unter Hinzugabe von kleinen Mengen abgekochten Wassers wie ein Teig geknetet wird. Durch das ständige Kneten wird, nach ca. 30 Minuten, das kostbare Arganöl langsam aus der Paste herausgelöst.

Pro Arganbaum kann man ca. 4-6 Kilogramm Früchte ernten. Um einen Liter Arganöl herzustellen, werden ca. 30 Kilogramm Früchte, also die Ernte von ca. 5 Bäumen, benötigt. Zusammen mit der mühevollen Arbeit des Aufschlagens der Kerne und der Handpressung arbeiten die Berberfrauen rund eineinhalb Tage, um einen Liter handgepresstes Arganöl herzustellen. Im Vergleich dazu: für einen Liter Olivenöl benötigt man 5 – 10 Kilogramm Oliven und weit weniger Zeit.

Experten schätzen, dass pro Jahr nur etwa 3-4 Millionen Liter Arganöl hergestellt werden – sehr wenig, wenn man dies mit den rund 2,8 Milliarden Liter Olivenöl vergleicht, die jährlich produziert werden. Auch das erklärt den hohen Preis und die besondere Wertschätzung, die man original handgepresstem Arganöl entgegen bringt.
Während der Haupterntezeit der Früchte zwischen Juli und September ist die Arganeraie für die Beweidung gesperrt.

Die Ernte der Arganfrüchte ist mühsam, weil die Arganie nicht wie ein Olivenbaum geschüttelt werden darf, denn bei einem gleichzeitigen Bestand an Früchten und Blüten, würden die Blüten mit abfallen und damit die nächste Ernte gefährden. Da die scharfen Dornen eine Handlese verhindern, warten die Berberfrauen, bis die Früchte von selbst zu Boden fallen und lesen sie auf. Dabei ziehen die Frauen während der Erntezeit oft mehrere Tage mit Eseln und Körben durch die Arganwälder.

Die Früchte werden anschließend in der Sonne getrocknet und später vor Sonnenstrahlen geschützt trocken eingelagert. Bei fachgerechter Lagerung bewahren die Früchte über 5 Jahre ihre Haltbarkeit. Auf diese Weise kann das handgepresste Arganöl, anders als z. B. Olivenöl oder Rapsöl immer frisch, je nach Bedarf, hergestellt und gepresst werden.

Man liest häufig, dass die Berber zum ernten Ziegen auf die Bäume schicken. Das Arganöl aus den ausgeschiedenen Kernen soll sogar besonders wirksam sein. – Unser Argand’Or Arganöl wird nicht aus diesen Kernen hergestellt. Daher ist es hygienisch sauber und hat einen feinen natürlichen Geruch.
Die Frucht ähnelt einer gelben Pflaume und enthält bis zu drei Kernen, jeder etwas größer als eine Haselnuss. Die Schale ist allerdings extrem hart. Im Kern befindet sich eine kleine Mandel von der Größe eines Sonnenblumenkerns. Aus diesen Mandeln wird das kostbare Arganöl in mühevoller Arbeit von Hand gewonnen.

In besonders trockenen Regionen trägt der Arganbaum nur alle zwei Jahre Früchte. Mehr Kraft kann er aus den kargen Böden am Rande der Sahara nicht ziehen. In extremen Trockenzeiten kann die Arganie auch schon mal ganz auf Früchte und Blätter verzichten und ihr Wachstum einstellen – notfalls jahrelang. Erst neue Niederschläge erwecken sie wieder zum Leben. Sobald es regnet, treibt sie innerhalb weniger Tage wieder Blätter und Blüten und später auch Früchte.

Ein Baum kann in guten, regenreichen Jahren auch bis zu drei Generationen Blüten und Früchte in unterschiedlichen Reifegraden zur gleichen Zeit tragen.
Die Arganie (lat. Argania Spinosa) gehört zu den Seifenbaumgewächsen und zählt zu den ältesten Bäumen der Welt. Sie ist historisch einmalig auf der Welt und sogar noch wesentlich älter als die Menschheitsgeschichte. Vor rund 25 Millionen Jahren entwickelte sich die Arganie zu einem Spezialisten für wüstenähnliche, trockene Regionen. Ihre Lebenserwartung beträgt bis zu 400 Jahre.

Sie wächst nur noch im südwestlichen Marokko und zwar ausschließlich in der südwest-marokkanischen Region Souss-Massa-Draa, auf einem Gebiet von ca. 8.000 Quadratkilometern. Der Arganbaum ist ansonsten weltweit ausgestorben. Versuche den Baum in anderen Ländern anzubauen, schlugen bislang fehl. Biologen vermuten, dass die Bäume die einzigartige Kombination von Atlantikklima, Atlasgebirge, Wüste und Bodenklima zum Leben benötigen.

Etwa 20 Millionen Bäume wachsen heute noch in dieser Region, die von der UNESCO als „Biosphären-Reservat“ geschützt ist. Jeder Baum gehört dem Staat. Privatleuten, auch den Berberfamilien, werden lediglich Nutzungsrechte eingeräumt. Arganbäume zu schütteln oder gar abzuholzen ist streng untersagt.

Der Arganbaum wird bis zu 10 Meter hoch und hat eine Krone mit einem Durchmesser von bis zu 16 Meter. Auf der Suche nach Wasser können sich die Wurzeln bis zu 30 Meter in den sandigen Boden bohren. Der Wasserbedarf ist sehr gering, Nebel und Tau reichen oft aus, um zu überleben. Lange Dornen schützen den Baum vor Tierfraß. Nur Ziegen haben gelernt auf den Baum zu klettern und die Blätter und Früchte zu fressen, die natürlich leckerer sind, als das trockene Wüstengras.

Im Schatten des Arganbaums wachsen eine Vielzahl von nützlichen Pflanzen, unter anderem Gräser, Getreide, Thymian, Lavendel, Distel und Wildblüte.

Für die Amazigh Berber ist der Arganbaum tatsächlich ihr „Lebensbaum“. Er versorgt die Familien mit nahezu allem, was sie benötigen: Holz als Brennstoff (aus Fallholz) und als Gerüst für ihre Lehmhäuser, Früchte und Arganöl als hochwertiges Lebensmittel und als Medizin und natürlich die Herstellung und der Verkauf des Arganöls als sichere Einnahmequelle.